13KGHT73 Warum die Naturseife von bambusliebe kein Titandioxid enthält – bambusliebe GmbH
Warum die Naturseife von bambusliebe kein Titandioxid enthält

Warum die Naturseife von bambusliebe kein Titandioxid enthält

 

Kein Mensch braucht Chemie! Dachte man in der 8. Klasse. Hätte man damals gewusst, dass sich das erwachsene "Ich" dann doch mehr oder weniger für Dinge interessiert wie Zusatzstoffe, Gesundheit und Umweltschutz, wäre man der Thematik vielleicht etwas aufgeschlossener begegnet. Nun soll das hier kein Chemie-Exkurs werden. Vielmehr geht es darum, Aufschluss über einen Stoff zu geben, mit dem wir im Alltag immer wieder zu tun haben, der aber angesichts der Häufigkeit, in der wir ihn nutzen, noch nicht genug erforscht worden ist. Die Rede ist von Titandioxid (TiO2). Wir erklären, worum es sich dabei handelt, wofür der Stoff verwendet wird und warum manche seiner Einsatzgebiete einen Haken haben. Und vielleicht werden nebenbei ja auch ein paar Grundkenntnisse aufgefrischt.

 

Titandioxid – was ist das?

Grob zusammengefasst: Eine Verbindung, die entsteht, wenn Titan mit Sauerstoff reagiert. Diese Sauerstoff-Verbindung (Oxid) des Titans befindet sich in Mineralien in der Erdkruste und kommt auch in anderen Elementen wie Eisen oder Calcium vor. Titandioxid hat also einen natürlichen, mineralischen Ursprung. Produziert wird es entweder als Nanomaterial oder als Pigment. In der Kosmetikindustrie ist das Oxid ein gern gesehenes Mittel, um Pflege- und Make-up-Produkten zu  einem schönen Perlglanz oder strahlenden Weiß zu verhelfen. In Cremes wird es auch als Verdickungsmittel eingesetzt. Titandioxid verfügt über eine sehr starke Deckkraft und ist außerdem UV-beständig. Weil es Sonnenstrahlung absorbiert und reflektiert, wird das Oxid mit Vorliebe in Sonnencremes verwendet. Ein weiteres Einsatzgebiet dieses Stoffes ist Zahncreme – allerdings macht er nur die Paste weiß, nicht die Zähne. Wissenswert ist auch, dass Titandioxid für den Einsatz in Naturkosmetika zugelassen ist.

An sich gilt das Oxid als ungiftig und ist als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen. Auch hier fungiert es als Farbstoff, beispielsweise für Kaugummis, Schokolinsen, Fertigsuppen oder Mozzarella. Dazu kommt Titandioxid in vielen Arzneimitteln vor, genauso wie in Farben und Lacken. Wer sich im Kunstunterricht wohler gefühlt hat, als in Chemie, erinnert sich vielleicht an das schöne, reine Deckweiß im Tuschkasten – und das enthielt mit hoher Wahrscheinlichkeit Titandioxid.

Die Deklarationen für Titandioxid sind E171 (in Lebensmitteln) und CI 77891 (in Pflege- und Kosmetikprodukten). So weit, so gut, oder? Es handelt sich um ein natürliches Mineral, das als Farbstoff eingesetzt wird. So einfach ist das leider nicht.

 

Das Problem mit den Lebensmitteln, Nanopartikeln und der Politik

Der Weißmacher scheint uns zu umzingeln: Wir schlucken ihn, reiben uns damit ein und streichen die Wände damit. Ist das gefährlich?

Zunächst einmal kann Titandioxid über verzehrte Lebensmittel sowie über die Atemwege in den Körper gelangen, etwa beim Aufsprühen von Lacken oder Sonnenschutzsprays, in denen das Oxid in Form von Nanoteilchen verarbeitet wurde. 2017 stufte die Europäische Chemikalienagentur ECHA die Pulverform des Oxids als „möglicherweise krebserregend“ ein, sofern diese eingeatmet wird. Die Partikel des Oxids setzen sich in der Lunge fest. Aufgrund dessen beschloss die EU-Kommission, dass entsprechende Produkte europaweit mit einem Warnhinweis gekennzeichnet sein müssen. Allerdings stellte ein Sprecher der Kommission klar, dass Titandioxid nicht verboten wird. Die Erkenntnisse dahingehend sind also einigermaßen klar, der Umgang damit nicht.

Bei Lebensmitteln sieht es schwieriger aus. Das Titandioxid ist nicht wasserlöslich, sondern verteilt sich in vielen, winzigen Partikeln im Produkt. Hier müsste geklärt werden, ob Nanopartikel möglicherweise vom Körper aufgenommen werden. 2019 entschied Frankreich sich dafür, nicht nur zu überlegen und handelte: Als einziges Land der EU verbot Frankreich ab 2020 den Einsatz von Titandioxid-Nanopartikeln in Lebensmitteln. Französische Wissenschaftler hatten 2017 durch Tests an Ratten nachgewiesen, dass ein regelmäßiges Einnehmen von Titandioxid Darmentzündungen hervorruft und dem Immunsystem schadet. In diesen Versuchen fanden die Wissenschaftler heraus, dass der Farbstoff die Darmbarriere durchbrechen und als Nanoteilchen ins Blut gelangen kann.

Andere Experten (u. a. die der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit, EFSA) sahen bis dahin noch keine Gefahr für die Gesundheit durch den Farbstoff E171. Zu wenige Erkenntnisse lagen vor, die seine Einstufung als „vermutlich krebserregend“ gerechtfertigt hätten. Zudem konnten die Untersuchungen der französischen Wissenschaftler bisher nicht nachweisen, dass die Gesundheitsschäden, welche die Ratten davontrugen, auch bei Menschen auftreten. So hielten sich die anderen Forscher damit zurück, den Zusatzstoff zu kritisieren, denn letzten Endes ist das Thema „Titandioxid“ nicht nur eine Frage der Gesundheit, sondern auch des Geldes: Jedes Jahr werden um die vier bis fünf Millionen Tonnen des Oxids hergestellt.

Frankreichs Alleingang sorgt für Stress in der EU. Das hat folgenden Hintergrund: Zusatzstoffe und Lebensmittelsicherheit sind Dinge, derer sich die EU angenommen hat. Wissenschaftsbasierte Risikobewertungen führt die EFSA zentral durch; das Risikomanagement liegt bei der EU-Kommission. Die EFSA hält Frankreichs Schritt für unvertretbar und widerlegte dessen Sicherheitsaspekt, so schreibt es der Lebensmittelverband Deutschland auf seiner Homepage. Weiter heißt es dort: „Das einseitige Aussetzen der Verwendung eines gemeinschaftlich zugelassenen, als sicher anerkannten Zusatzstoffs  … hat beträchtliche Folgen für das Ansehen und den Stellenwert der EFSA. Das Vertrauen in die europäischen Zulassungsregelungen [und] in das gesamte Konzept der Lebensmittelsicherheit, wird ... schwer beschädigt.“ Der Lebensmittelverband sieht den einheitlichen Verbraucherschutz gefährdet und habe daher die Bundesregierung dazu aufgefordert, „sich deutlich pro europäisch zu positionieren und die Kommission beim Vorgehen gegen Frankreich zu unterstützen.“ Es sei „massives durchgreifen“ nötig, „um Frankreich zur Rücknahme zu zwingen“  und befürchtete Folgen abzuwenden.

Handelt es sich hierbei um berechtigte Einwände oder um subjektive Kritik? Da klopft die Erinnerung im Hinterkopf, dass der Lebensmittelverband eine Institution der deutschen Lebensmittelwirtschaft ist. Seine Präsidenten sind Vorstandsmitglieder von allzu bekannten, internationalen Konzernen. Wie war das doch gleich mit den vier bis fünf Millionen Tonnen? Es wäre interessant zu wissen, wo hier die Prioritäten liegen. Geht es um Gesundheit, bröckelndes Vertrauen oder um Geld? Jedenfalls scheint eine politisch-wirtschaftliche Debatte über der Gesundheit zu stehen. Hingegen äußert sich das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) auf seiner Website vorsichtig und gesteht sich ein, dass Forschungsbedarf besteht. Das scheint die EU-Kommission ähnlich zu sehen und wartet zurzeit noch auf weitere Studien.

Wer diesen Zusatzstoff vorerst umgehen möchte, hält sich besser an Bio-Lebensmittel. In denen ist der Einsatz von Farbstoffen laut der Ökoverordnung verboten.

 

Metallene Hautpflege?

Soweit bekannt, wird Titandioxid nicht über Hautpflegeprodukte aufgenommen, sofern es sich um gesunde Haut handelt. Beim Auftragen gilt der Stoff daher als unbedenklich. Da er sich nicht im Wasser löst, kann er auch nicht die Schutzbarriere der Haut durchdringen. Auch das Informationsportal SafeCosmetics.org sagt, dass gesundheitliche Bedenken beim Auftragen von Pflegeprodukten, die Titandioxid enthalten, nicht bewiesen sind.

Dennoch stießen wir bei der Recherche wiederholt auf den allgemeinen Hinweis, Titandioxid besser generell zu meiden. Zum einen wegen des Forschungsbedarfs, zum anderen, weil gerade Nanopartikel als gefährlich gelten. Es stellt sich die Frage, ob Pflegeprodukte unbedingt einen Zusatzstoff enthalten müssen, auch wenn diesem (noch) keine negativen Wirkungsweisen nachgewiesen wurden. Vielleicht sollten gerade unerforschte Stoffe erst mal außen vor bleiben.  Seifen, Cremes und Co. erfüllen ihren Zweck genauso, wenn sie weniger farbenfroh und glänzend daherkommen. Und zu guter Letzt kommt ein weiterer Aspekt hinzu: Das Zeug, mit dem wir uns einreiben, landet später im Wasser.

 

Zwei Seiten für die Umwelt

"Alles, was wir konsumieren, landet am Ende im Abwasser. Das sollte man wissen, bevor man [Produkte] mit ... Dutzenden Chemikalien nutzt", bringt das Umweltbundesamt die Sache auf den Punkt. Immer mehr Energie, Technik und Geld sind nötig, um das Abwasser gründlich zu reinigen und trotzdem ist eine ausnahmslose Reinigung des Wassers nicht möglich. Das betrifft auch das Titandioxid in Form von Nanoteilchen. Diese und andere Nanopartikel können die Reinigungsprozedur der Kläranlage überstehen und dann in die Gewässer gelangen. Zudem wird der übriggebliebene Klärschlamm der Anlage teilweise auf Felder ausgebracht, von wo aus die Nanoteilchen ebenfalls in Gewässer sickern. Der BUND berichtet von ersten Studien, die zeigen, dass Nanopartikel für die Umwelt überaus schädlich sein können. Beispielsweise sind Titan- und Zinkdioxid als Nanoteilchen für Wasserflöhe giftig.

Schutzbewusste Sonnenanbeter geben Titandioxid unbeabsichtigt direkt ins Meer. Wissenschaftler untersuchten Strände in Südfrankreich und fanden heraus, dass das Nano-Titandioxid im Wasser seine Schutzschicht verliert. Infolgedessen setzt sich der giftigere Bestandteil des Stoffes in der Unterwasserwelt frei und kann Wasserlebewesen schädigen. Einer der an der Forschung beteiligten Wissenschaftler ist Dr. Jérôme Labille. Seine Beispielrechnung lässt einem die eingecremten Härchen fast senkrecht stehen: "Bei einem kleinen Strand, der etwa 3000 Menschen täglich fasste, rechnen wir damit, dass etwa 68 kg Creme pro Tag … deponiert werden könnten. Wenn man bedenkt, dass die Hälfte der verwendeten Cremes 5% Titandioxid enthält, ergibt das 1,7 kg Titandioxid pro Tag: Das sind ca. 54 kg in den zwei Monaten des Hochsommers. Natürlich ist das Meer … ständig in Bewegung, sodass ein Teil der Titandioxidverschmutzung verteilt wird. Dennoch rechnen wir mit einer Anreicherung von Titandioxid im Küstenbereich, die die dortige Tierwelt beeinträchtigen könnte. In … stehendem Wasser, wie z.B. in Seen, wäre die Anhäufung noch stärker zu erwarten. Es ist wichtig, dies im Auge zu behalten: Titandioxid ist ein Schadstoff, und wir müssen Maßnahmen ergreifen, um die Mengen an TiO2 zu verringern ….“ Natürlich ist Sonnenschutz wichtig und der Strandurlaub sei einem jedem gegönnt. Doch verdeutlichen diese Erkenntnisse die Auswirkungen, die Titandioxid auf die Umwelt hat und zeigt zudem, dass in Sachen Sonnenschutzmittel Optimierungsbedarf herrscht.

Eine positive Auswirkung hat Titandioxid in ganz anderen Bereichen. Zum Beispiel werden in  tropischen und warmen Klimagebieten die Außenwände mancher Gebäude mit einer Farbbeschichtung gestrichen, die diesen Stoff enthält. Durch die lichtreflektierenden Eigenschaften  kann Energie eingespart werden, weil sich so der Einsatz von Klimaanlagen reduzieren lässt. Außerdem hat Titandioxid eine photokatalytische Wirkung. Das heißt, dass UV-Strahlen, die auf das Oxid treffen, eine chemische Reaktion auslösen. So können etwa Schadstoffe oder Schmutzpartikel in Beton in Nitrat umgewandelt werden, welches dann der Regen wegspült.

 

Unser Fazit

Auf manchen Gebieten, wie etwa im Bauwesen, mag Titandioxid seine Berechtigung haben. Aber eben nicht in allen und ein „Einer-für-alles-Mittel“ sollte uns lieber stutzig machen. Außerdem ist  die  Wirkung von Titandioxid in den meisten Bereichen gleichermaßen umstritten wie unerforscht. Unabhängig von allen Mutmaßungen, lässt sich anhand der vielen Diskussionen ableiten, dass Titandioxid nicht unbedingt der gesündeste Stoff ist. Selbst wenn unsere Haut damit zurechtkommen mag, sollten wir an unsere Umwelt denken und in diesem Zusammenhang auch daran, mit welcher Masse Substanzen wie Titandioxid in die Abflüsse und unsere Umwelt gespült werden.

Bei der Herstellung unserer Seifen lassen wir Titandioxid bewusst weg. Naturseife sollte solche Stoffe nicht enthalten. Sie soll saubermachen, eventuell gut duften und dabei weder Haut noch Umwelt belasten. Und das geht alles ohne Zusatzstoffe.

 

Quellen:

bund.net/themen/chemie/nanotechnologie/umwelt/

praxistipps.focus.de/titandioxid-ist-das-schaedlich-alle-infos_93682

chemie.de/news/163632/titandioxid-aus-sonnenschutzmitteln-verschmutzt-die-straende.html

bfr.bund.de/de/titandioxid__es_besteht_noch_forschungsbedarf-240812.html

 

Kein Mensch braucht Chemie! Dachte man in der 8. Klasse. Hätte man damals gewusst, dass sich das erwachsene "Ich" dann doch mehr oder weniger für Dinge interessiert wie Zusatzstoffe, Gesundheit und Umweltschutz, wäre man der Thematik vielleicht etwas aufgeschlossener begegnet. Nun soll das hier kein Chemie-Exkurs werden. Vielmehr geht es darum, Aufschluss über einen Stoff zu geben, mit dem wir im Alltag immer wieder zu tun haben, der aber angesichts der Häufigkeit, in der wir ihn nutzen, noch nicht genug erforscht worden ist. Die Rede ist von Titandioxid (TiO2). Wir erklären, worum es sich dabei handelt, wofür der Stoff verwendet wird und warum manche seiner Einsatzgebiete einen Haken haben. Und vielleicht werden nebenbei ja auch ein paar Grundkenntnisse aufgefrischt.

 

Titandioxid – was ist das?

Grob zusammengefasst: Eine Verbindung, die entsteht, wenn Titan mit Sauerstoff reagiert. Diese Sauerstoff-Verbindung (Oxid) des Titans befindet sich in Mineralien in der Erdkruste und kommt auch in anderen Elementen wie Eisen oder Calcium vor. Titandioxid hat also einen natürlichen, mineralischen Ursprung. Produziert wird es entweder als Nanomaterial oder als Pigment. In der Kosmetikindustrie ist das Oxid ein gern gesehenes Mittel, um Pflege- und Make-up-Produkten zu  einem schönen Perlglanz oder strahlenden Weiß zu verhelfen. In Cremes wird es auch als Verdickungsmittel eingesetzt. Titandioxid verfügt über eine sehr starke Deckkraft und ist außerdem UV-beständig. Weil es Sonnenstrahlung absorbiert und reflektiert, wird das Oxid mit Vorliebe in Sonnencremes verwendet. Ein weiteres Einsatzgebiet dieses Stoffes ist Zahncreme – allerdings macht er nur die Paste weiß, nicht die Zähne. Wissenswert ist auch, dass Titandioxid für den Einsatz in Naturkosmetika zugelassen ist.

An sich gilt das Oxid als ungiftig und ist als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen. Auch hier fungiert es als Farbstoff, beispielsweise für Kaugummis, Schokolinsen, Fertigsuppen oder Mozzarella. Dazu kommt Titandioxid in vielen Arzneimitteln vor, genauso wie in Farben und Lacken. Wer sich im Kunstunterricht wohler gefühlt hat, als in Chemie, erinnert sich vielleicht an das schöne, reine Deckweiß im Tuschkasten – und das enthielt mit hoher Wahrscheinlichkeit Titandioxid.

Die Deklarationen für Titandioxid sind E171 (in Lebensmitteln) und CI 77891 (in Pflege- und Kosmetikprodukten). So weit, so gut, oder? Es handelt sich um ein natürliches Mineral, das als Farbstoff eingesetzt wird. So einfach ist das leider nicht.

 

Das Problem mit den Lebensmitteln, Nanopartikeln und der Politik

Der Weißmacher scheint uns zu umzingeln: Wir schlucken ihn, reiben uns damit ein und streichen die Wände damit. Ist das gefährlich?

Zunächst einmal kann Titandioxid über verzehrte Lebensmittel sowie über die Atemwege in den Körper gelangen, etwa beim Aufsprühen von Lacken oder Sonnenschutzsprays, in denen das Oxid in Form von Nanoteilchen verarbeitet wurde. 2017 stufte die Europäische Chemikalienagentur ECHA die Pulverform des Oxids als „möglicherweise krebserregend“ ein, sofern diese eingeatmet wird. Die Partikel des Oxids setzen sich in der Lunge fest. Aufgrund dessen beschloss die EU-Kommission, dass entsprechende Produkte europaweit mit einem Warnhinweis gekennzeichnet sein müssen. Allerdings stellte ein Sprecher der Kommission klar, dass Titandioxid nicht verboten wird. Die Erkenntnisse dahingehend sind also einigermaßen klar, der Umgang damit nicht.

Bei Lebensmitteln sieht es schwieriger aus. Das Titandioxid ist nicht wasserlöslich, sondern verteilt sich in vielen, winzigen Partikeln im Produkt. Hier müsste geklärt werden, ob Nanopartikel möglicherweise vom Körper aufgenommen werden. 2019 entschied Frankreich sich dafür, nicht nur zu überlegen und handelte: Als einziges Land der EU verbot Frankreich ab 2020 den Einsatz von Titandioxid-Nanopartikeln in Lebensmitteln. Französische Wissenschaftler hatten 2017 durch Tests an Ratten nachgewiesen, dass ein regelmäßiges Einnehmen von Titandioxid Darmentzündungen hervorruft und dem Immunsystem schadet. In diesen Versuchen fanden die Wissenschaftler heraus, dass der Farbstoff die Darmbarriere durchbrechen und als Nanoteilchen ins Blut gelangen kann.

Andere Experten (u. a. die der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit, EFSA) sahen bis dahin noch keine Gefahr für die Gesundheit durch den Farbstoff E171. Zu wenige Erkenntnisse lagen vor, die seine Einstufung als „vermutlich krebserregend“ gerechtfertigt hätten. Zudem konnten die Untersuchungen der französischen Wissenschaftler bisher nicht nachweisen, dass die Gesundheitsschäden, welche die Ratten davontrugen, auch bei Menschen auftreten. So hielten sich die anderen Forscher damit zurück, den Zusatzstoff zu kritisieren, denn letzten Endes ist das Thema „Titandioxid“ nicht nur eine Frage der Gesundheit, sondern auch des Geldes: Jedes Jahr werden um die vier bis fünf Millionen Tonnen des Oxids hergestellt.

Frankreichs Alleingang sorgt für Stress in der EU. Das hat folgenden Hintergrund: Zusatzstoffe und Lebensmittelsicherheit sind Dinge, derer sich die EU angenommen hat. Wissenschaftsbasierte Risikobewertungen führt die EFSA zentral durch; das Risikomanagement liegt bei der EU-Kommission. Die EFSA hält Frankreichs Schritt für unvertretbar und widerlegte dessen Sicherheitsaspekt, so schreibt es der Lebensmittelverband Deutschland auf seiner Homepage. Weiter heißt es dort: „Das einseitige Aussetzen der Verwendung eines gemeinschaftlich zugelassenen, als sicher anerkannten Zusatzstoffs  … hat beträchtliche Folgen für das Ansehen und den Stellenwert der EFSA. Das Vertrauen in die europäischen Zulassungsregelungen [und] in das gesamte Konzept der Lebensmittelsicherheit, wird ... schwer beschädigt.“ Der Lebensmittelverband sieht den einheitlichen Verbraucherschutz gefährdet und habe daher die Bundesregierung dazu aufgefordert, „sich deutlich pro europäisch zu positionieren und die Kommission beim Vorgehen gegen Frankreich zu unterstützen.“ Es sei „massives durchgreifen“ nötig, „um Frankreich zur Rücknahme zu zwingen“  und befürchtete Folgen abzuwenden.

Handelt es sich hierbei um berechtigte Einwände oder um subjektive Kritik? Da klopft die Erinnerung im Hinterkopf, dass der Lebensmittelverband eine Institution der deutschen Lebensmittelwirtschaft ist. Seine Präsidenten sind Vorstandsmitglieder von allzu bekannten, internationalen Konzernen. Wie war das doch gleich mit den vier bis fünf Millionen Tonnen? Es wäre interessant zu wissen, wo hier die Prioritäten liegen. Geht es um Gesundheit, bröckelndes Vertrauen oder um Geld? Jedenfalls scheint eine politisch-wirtschaftliche Debatte über der Gesundheit zu stehen. Hingegen äußert sich das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) auf seiner Website vorsichtig und gesteht sich ein, dass Forschungsbedarf besteht. Das scheint die EU-Kommission ähnlich zu sehen und wartet zurzeit noch auf weitere Studien.

Wer diesen Zusatzstoff vorerst umgehen möchte, hält sich besser an Bio-Lebensmittel. In denen ist der Einsatz von Farbstoffen laut der Ökoverordnung verboten.

 

Metallene Hautpflege?

Soweit bekannt, wird Titandioxid nicht über Hautpflegeprodukte aufgenommen, sofern es sich um gesunde Haut handelt. Beim Auftragen gilt der Stoff daher als unbedenklich. Da er sich nicht im Wasser löst, kann er auch nicht die Schutzbarriere der Haut durchdringen. Auch das Informationsportal SafeCosmetics.org sagt, dass gesundheitliche Bedenken beim Auftragen von Pflegeprodukten, die Titandioxid enthalten, nicht bewiesen sind.

Dennoch stießen wir bei der Recherche wiederholt auf den allgemeinen Hinweis, Titandioxid besser generell zu meiden. Zum einen wegen des Forschungsbedarfs, zum anderen, weil gerade Nanopartikel als gefährlich gelten. Es stellt sich die Frage, ob Pflegeprodukte unbedingt einen Zusatzstoff enthalten müssen, auch wenn diesem (noch) keine negativen Wirkungsweisen nachgewiesen wurden. Vielleicht sollten gerade unerforschte Stoffe erst mal außen vor bleiben.  Seifen, Cremes und Co. erfüllen ihren Zweck genauso, wenn sie weniger farbenfroh und glänzend daherkommen. Und zu guter Letzt kommt ein weiterer Aspekt hinzu: Das Zeug, mit dem wir uns einreiben, landet später im Wasser.

 

Zwei Seiten für die Umwelt

"Alles, was wir konsumieren, landet am Ende im Abwasser. Das sollte man wissen, bevor man [Produkte] mit ... Dutzenden Chemikalien nutzt", bringt das Umweltbundesamt die Sache auf den Punkt. Immer mehr Energie, Technik und Geld sind nötig, um das Abwasser gründlich zu reinigen und trotzdem ist eine ausnahmslose Reinigung des Wassers nicht möglich. Das betrifft auch das Titandioxid in Form von Nanoteilchen. Diese und andere Nanopartikel können die Reinigungsprozedur der Kläranlage überstehen und dann in die Gewässer gelangen. Zudem wird der übriggebliebene Klärschlamm der Anlage teilweise auf Felder ausgebracht, von wo aus die Nanoteilchen ebenfalls in Gewässer sickern. Der BUND berichtet von ersten Studien, die zeigen, dass Nanopartikel für die Umwelt überaus schädlich sein können. Beispielsweise sind Titan- und Zinkdioxid als Nanoteilchen für Wasserflöhe giftig.

Schutzbewusste Sonnenanbeter geben Titandioxid unbeabsichtigt direkt ins Meer. Wissenschaftler untersuchten Strände in Südfrankreich und fanden heraus, dass das Nano-Titandioxid im Wasser seine Schutzschicht verliert. Infolgedessen setzt sich der giftigere Bestandteil des Stoffes in der Unterwasserwelt frei und kann Wasserlebewesen schädigen. Einer der an der Forschung beteiligten Wissenschaftler ist Dr. Jérôme Labille. Seine Beispielrechnung lässt einem die eingecremten Härchen fast senkrecht stehen: "Bei einem kleinen Strand, der etwa 3000 Menschen täglich fasste, rechnen wir damit, dass etwa 68 kg Creme pro Tag … deponiert werden könnten. Wenn man bedenkt, dass die Hälfte der verwendeten Cremes 5% Titandioxid enthält, ergibt das 1,7 kg Titandioxid pro Tag: Das sind ca. 54 kg in den zwei Monaten des Hochsommers. Natürlich ist das Meer … ständig in Bewegung, sodass ein Teil der Titandioxidverschmutzung verteilt wird. Dennoch rechnen wir mit einer Anreicherung von Titandioxid im Küstenbereich, die die dortige Tierwelt beeinträchtigen könnte. In … stehendem Wasser, wie z.B. in Seen, wäre die Anhäufung noch stärker zu erwarten. Es ist wichtig, dies im Auge zu behalten: Titandioxid ist ein Schadstoff, und wir müssen Maßnahmen ergreifen, um die Mengen an TiO2 zu verringern ….“ Natürlich ist Sonnenschutz wichtig und der Strandurlaub sei einem jedem gegönnt. Doch verdeutlichen diese Erkenntnisse die Auswirkungen, die Titandioxid auf die Umwelt hat und zeigt zudem, dass in Sachen Sonnenschutzmittel Optimierungsbedarf herrscht.

Eine positive Auswirkung hat Titandioxid in ganz anderen Bereichen. Zum Beispiel werden in  tropischen und warmen Klimagebieten die Außenwände mancher Gebäude mit einer Farbbeschichtung gestrichen, die diesen Stoff enthält. Durch die lichtreflektierenden Eigenschaften  kann Energie eingespart werden, weil sich so der Einsatz von Klimaanlagen reduzieren lässt. Außerdem hat Titandioxid eine photokatalytische Wirkung. Das heißt, dass UV-Strahlen, die auf das Oxid treffen, eine chemische Reaktion auslösen. So können etwa Schadstoffe oder Schmutzpartikel in Beton in Nitrat umgewandelt werden, welches dann der Regen wegspült.

 

Unser Fazit

Auf manchen Gebieten, wie etwa im Bauwesen, mag Titandioxid seine Berechtigung haben. Aber eben nicht in allen und ein „Einer-für-alles-Mittel“ sollte uns lieber stutzig machen. Außerdem ist  die  Wirkung von Titandioxid in den meisten Bereichen gleichermaßen umstritten wie unerforscht. Unabhängig von allen Mutmaßungen, lässt sich anhand der vielen Diskussionen ableiten, dass Titandioxid nicht unbedingt der gesündeste Stoff ist. Selbst wenn unsere Haut damit zurechtkommen mag, sollten wir an unsere Umwelt denken und in diesem Zusammenhang auch daran, mit welcher Masse Substanzen wie Titandioxid in die Abflüsse und unsere Umwelt gespült werden.

Bei der Herstellung unserer Seifen lassen wir Titandioxid bewusst weg. Naturseife sollte solche Stoffe nicht enthalten. Sie soll saubermachen, eventuell gut duften und dabei weder Haut noch Umwelt belasten. Und das geht alles ohne Zusatzstoffe.

 

Quellen:

bund.net/themen/chemie/nanotechnologie/umwelt/

praxistipps.focus.de/titandioxid-ist-das-schaedlich-alle-infos_93682

chemie.de/news/163632/titandioxid-aus-sonnenschutzmitteln-verschmutzt-die-straende.html

bfr.bund.de/de/titandioxid__es_besteht_noch_forschungsbedarf-240812.html
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