Plastikreduziert durch die Corona-Zeit

Die lokale Gastronomie umweltfreundlich unterstützen

Vor sieben Wochen hat sich unser Leben verändert. Auf die Auswirkungen muss nicht näher eingegangen werden; jeder verspürt sie am eigenen Leib. Mit unserem Kopf sind wir ganz beim Home-Office oder Home-Schooling – wenn wir ihn nicht schon irgendwo dazwischen verloren haben. Neben der Sorge um die Zukunft, Kurzarbeit oder das eigene Unternehmen nehmen wir wahr, dass die Umwelt sich erholt. Der CO2-Ausstoß sinkt, Flüsse werden klarer und Vögel lauter.

Nur der Abfall fällt durch das viele Zuhause-sein höher aus.

So sieht sich die Abfallentsorgung in Deutschland durch die Auswirkungen des Corona-Virus besonderen Herausforderungen gegenübergestellt. Das Bundesumweltministerium appelliert an uns Bürger Abfall zu vermeiden und richtig zu trennen. „Es kommt auf jeden einzelnen an, damit Restabfalltonnen nicht überquellen und Hygieneregeln eingehalten werden“, so schrieb das BMU in einer Pressemitteilung.

 

Der nachhaltig denkende Verbraucher mag dadurch in einen kleinen Konflikt geraten: Geschlossene Lokale bieten Essen außer Haus an und gerade jetzt gilt es, lokale Unternehmen besonders zu unterstützen. Das macht man gern und abgesehen davon – ein fertiges Essen kann man auch im Home-Office gut gebrauchen.

 

„Einmal Müll zum Mitnehmen, bitte“

Wir schreiben das Jahr 2017 – zwei Jahre vor Corona. Das Essen außer Haus sorgte schon vor der Krise für ein Problem. In diesem Jahr führte die Gesellschaft für Verpackungsforschung (GVM) im Auftrag des NABU eine Datenerhebung durch. Das Ergebnis: 2017 fielen 346.419 Tonnen Abfall für to-go-Verpackungen und Einweggeschirr an. Boxen, Schalen oder Teller nehmen davon den größten Anteil ein und summieren sich auf über 155.000 Tonnen Abfall. Auf Platz 2 rangieren Pizzakartons mit 50.000 Tonnen. Sollte in den Markt nicht regulierend eingegriffen werden, würde das einen signifikanten Anstieg der Tonnagen bedeuten, schlussfolgert die GVM.

Die Gründe für das steigende Abfallaufkommen sieht der NABU im sozialen, technischen und kulturellen Bereich. Zwischen 2005 und 2015 wuchs der Umsatz in Restaurants mit Selbstbedienung um 110 Prozent, während sich der von Cafés und Imbissstuben nahezu verdreifachte. Auch Convenience ist immer beliebter geworden. Bei den Gastronomen hat Einweg schlicht Kostenvorteile gegenüber Mehrweg und technische Entwicklungen erleichtern das Geschäft der Lieferdienste. Und wir Verbraucher beteiligen uns mehr oder weniger bewusst durch chronischen Zeitmangel oder Bequemlichkeit an der steigenden Mülltendenz; so wächst mit dem Außer-Haus-Verzehr auch das Quantum an Verpackungen.

 

Diese Verpackungsflut strömt unter anderem ins Meer und vieles wird verbrannt. Henning Wilts vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie sagt: „Wir haben ein Ressourcen- und Verwertungs- und kein Abfallproblem. Wir sind weit weg von einem geschlossenen Kreislauf.“ Jedes Mehrwegsystem mit regionaler Auslieferung und Sammlung ist besser als Einweg.

Das Thema „Müll und Mehrweg“ beschäftigt auch die Politik. Die EU-Einwegkunststoff-Richtlinie soll den Verbrauch reduzieren. Dabei ist aber eher das Konsumverhalten problematisch; Einweg ist einfach praktisch. Durch Mehrweg ließe sich ein Mittelweg schaffen, der es nicht erfordert, das Verhalten groß zu ändern.

Katharina Istel ist Referentin für Ressourcenpolitik beim NABU. Sie fordert von der Bundesregierung, dass diese die Richtlinie ambitioniert umsetzt. „Nur mit einer aktiven Mehrwegförderung werden Einweg-Plastikteller, wenn sie spätestens Mitte 2021 verboten sind, nicht einfach durch Einwegpapierteller ersetzt“, erklärt Istel. Durch Mehrweg Abfall zu verhindern, ist umweltfreundlicher, als die Materialien des Einwegs zu wechseln; dabei sei auch alternatives Material auf Bio-Basis keine Lösung.

 

Mehr Wege, weniger Müll – trotz Corona

Sven Witthöft und Tim Breker von Vytal haben das Problem erkannt und im vergangenen September ein digitales Mehrwegsystem für Kunststoffschalen gestartet, um so den Müll im Take-away zu reduzieren. Das Start-up versorgt Supermärkte, Kantinen und Gastronomie-Unternehmen mit Gefäßen, in denen die Kunden Lebensmittel mitnehmen können. Nach Benutzung werden sie wieder bei den teilnehmenden Betrieben abgegeben und gereinigt. Die Gastronomen können die Schüsseln pro Nutzung oder Flatrate zahlen, Pfand wird nicht erhoben.

Die Boxen seien keimfrei und können von außen desinfiziert werden, da sie zu 100 Prozent auslaufsicher sind – was für unsere aktuelle Lage besonders bedeutend ist.

Ungeachtet des Virus' laufen klassische Lieferdienste gut. Mitte März wurden Lieferdienste um 12 Prozent häufiger genutzt als sonst. Sonja Grimminger vom Umweltbundesamt meint: „Die Mittagspause, in der oft Essen geliefert wird, fällt zwar wegen Home-Office weg, verlagert sich aber ins Private. Sehr viele Gastronomen bieten jetzt auch neu einen Lieferdienst an. Das führt wahrscheinlich zu mehr Einweg.“

 

Der Zwiespalt zwischen Müll, Solidarität und Hygiene kann ziemlich verunsichern. Wie sieht es denn in diesen Zeiten mit Hygienevorschriften aus? Kann man auch jetzt noch sein Essen in mitgebrachten Behältern abholen?

Vorweg sei gesagt: Aktuell werden Lebensmittel nicht als Überträger gesehen. Der Lebensmittelverband Deutschland hat ein Merkblatt veröffentlicht, das Hinweise für den hygienischen Umgang mit Mehrwegbehältnissen (oder eigenen) gibt ("Mehrwegbehältnisse - Hygiene beim Umgang mit kundeneigenen Behältnissen zur Abgabe von Lebensmitteln in Bedienung oder Selbstbedienung"). Diese Leitlinie ist von allen Bundesländern geprüft und anerkannt. Es umfasst rechtliche Aspekte sowie die notwendigen betrieblichen Voraussetzungen. Lebensmittelunternehmen bekommen in diesem Merkblatt konkrete Handlungsvorschläge, wie sie den Umgang und das Befüllen kundeneigener Behältnisse hygienisch und sachgerecht handhaben. Die Hinweise des Merkblatts sollen die Bereitschaft und Kompetenz der Unternehmen unterstützen, einen entsprechenden Service für die Kunden anzubieten.

Dr. Sieglinde Stähle aus der wissenschaftlichen Leitung des Lebensmittelverbands fasst es wie folgt zusammen: „Verpackungen haben eine wichtige Schutzfunktion für Lebensmittel, aber viele suchen nach Alternativen zu Einwegverpackungen und leisten gern ihren Beitrag. Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung sind auch für die Lebensmittelbranche zentrale Anliegen und deshalb können Kunden ihre eigenen Behälter mitbringen, in denen sie die Lebensmittel nach Hause transportieren können. Dabei gilt generell - und insbesondere in den Zeiten der Maßnahmen gegen die Covid-19-Epidemie -, dass die Verhaltensweisen und Abläufe hygienisch einwandfrei sind, damit die Lebensmittelsicherheit gewährleistet ist und die Unternehmer ihre Sorgfaltspflicht erfüllen.“

 

Also grünes Licht für eigene Behälter und das gute Gewissen. Und dann gibt es ja noch kreative und inspirierende Ideen für umweltfreundliche Alternativen:

Virtuell was trinken gehen: Ein paar Homepages bieten die Möglichkeit, echte Clubs und Locations mit einer kleinen Spende durch ein virtuelles Getränk zu unterstützen (z. B. Trink-genosse.de, konzertstream.org oder clubverstaerkerunited.de). Die Getränkekarte umfasst ein Spektrum von einem Getränk für 2,50 EUR bis 100,00 EUR („Der Abend geht auf mich“). Dann einfach das Getränk aus dem Kühlschrank holen und (online) zahlen gehen.

Reihe um kochen: Wie wäre es, sich im Freundes- oder Familienkreis gegenseitig zu bekochen? Suppen, Aufläufe und Co. lassen sich ideal in größeren Mengen zubereiten. Je nach Zeitrahmen oder freien Tagen wechselt man sich ab und kann sich gesunde, selbst gezauberte Leckereien von Freunden liefern (oder vor die Tür stellen) lassen.

Was die nächsten Wochen noch alles mit sich bringen werden, können wir natürlich auch nicht sagen. Aber wir bei bambusliebe beliefern dich auf jeden Fall weiter – wie gewohnt mit plastikfreien und nachhaltigen Produkten und wir bestärken dich darin, lokale Betriebe zu unterstützen.