Ganz schön verzahnt – was Zähneputzen mit Cocktails, Chemie und regionalen Alternativen zu tun hat

Was fällt dir als Erstes zu dem Wort „Kokosnuss“ ein? Vielleicht Palmen, Strände, Cocktails, Schokolade oder auch Baströckchen und Hula-Tänzerinnen. Würde dir spontan auch der Begriff „Zahnpflege“ dazu einfallen? Vielleicht nicht unbedingt, aber das könnte sich nach diesem Artikel ja ändern. :-)

Das Thema „Zahnpflege und Nachhaltigkeit“ ist ein heißes Pflaster und allein das kontrovers diskutierte Fluorid soll schon ganze Familien zerrüttet haben, so munkelt man.

Fakt ist: In vielen Zahncremes stecken umstrittene bis bedenkliche Inhaltsstoffe; ein Ergebnis zu dem auch Öko-Test kam, als 2019 rund 400 Zahncremes getestet wurden. Zu diesen Inhaltsstoffen zählen:

Triclosan – ein Bakterienkiller, der sie zugleich auch resistenter gegen Antibiotika werden lässt und welcher der Gesundheit der Mundflora schadet. Triclosan ist auch in Deos, Kosmetika oder Geschirrspülmittel enthalten und in den USA übrigens verboten.

Natriumlaurylsulfat (Sodium Lauryl Sulfate) – eine recht aggressive Substanz, welche die Schleimhäute reizt. Der Schaum, der sich daraus bildet, soll dazu beitragen, Zahnbelag und Essensreste wegzuspülen.

Polyethylenglykole und PEG – diese chemischen Stoffe machen die Schleimhäute für Fremdstoffe durchlässiger.

Aspartam (Phenylalanin) – Süßstoffe wie dieser und andere werden in Zahncremes gern eingesetzt. Verarbeitet der Körper diese Substanzen, wandelt er sie in Formaldehyde um, was bei Stoffwechselkrankheiten besonders ungünstig sein kann. Aspartam ist auch in Lebensmitteln enthalten.

Mikroplastik – verdickt die Zahnpasta künstlich und wird von Körperzellen aufgenommen. Auf die anderen Auswirkungen von Mikroplastik soll an dieser Stelle nicht eingegangen werden.

Propylenglykol – eine Art von Mineralöl, die Augen und Schleimhäute reizt, sowie für einige Organe giftig ist. Die Verarbeitung dieses Stoffes geschieht mit Brille, Handschuhen und Schutzkleidung; vielleicht sollte sie dann lieber nicht in den Mund genommen werden.

Konservierungsmittel, entzündungshemmende Stoffe, Schleifpartikel, Feuchthalte- und Verdickungsmittel sowie Aromen ergänzen die Liste der Inhaltsstoffe vieler Zahncremes. Laut Öko-Test setzte ein Hersteller sogar ein Lösungsmittel ein, was gesetzlich unzulässig ist.

 

 

Alle guten Dinge sind drei

Was also tun, um dem Cocktail an feucht-fröhlichen Chemikalien Lebewohl zu sagen? Genau hier kommt die Kokosnuss ins Spiel – und ein Rezept für eine selbstgemachte Zahncreme, auf das wir gestoßen sind. Die Zahncreme wurde von Mitgliedern der bambusliebe-Familie getestet und für sehr gut befunden; sie ist überaus günstig, erfordert so gut wie keinen Aufwand und wird wie folgt hergestellt:

 

  • ½ Tasse (120 ml) Kokosöl (bio und nativ) leicht erwärmen
  • 2 -4 TL Xylit (je nach gewünschter Süße der Zahncreme)
  • 10-15 Tropfen ätherisches Pfefferminzöl in Bio-Qualität, geeignet zur innerlichen Anwendung. Auf keinen Fall sollten mehr Tropfen verwendet werden, da ätherische Öle in ihrer Wirkung sehr stark sind und sonst Reizungen hervorrufen könnten.

Diese drei Zutaten werden einfach miteinander vermischt und in einen sterilen Behälter gefüllt, der sich gut verschließen lässt. Dabei sollte kein Wasser in die Zahncreme gelangen, da diese sonst schimmeln könnte. Mit einem kleinen Spachtel oder Löffel wird dann etwas Zahncreme auf die Bürste gestrichen. Direkt mit der Zahnbürste in den Behälter zu gehen, ist nicht ratsam, da sich auf diese Weise Bakterien in der Zahncreme ausbreiten würden.

Wer sich mit dem leichten Peeling-Effekt durch das Xylit nicht so wohlfühlt, kann das Kokosöl auch höher erhitzen: Bei ca. 90 Grad löst sich das Xylit dann auf.

Es gibt einige gute Gründe, warum sich gerade Kokosöl als Basis für eine selbst hergestellte Zahncreme ideal eignet: Da ist zum Beispiel der entzündungshemmende und antibakterielle Effekt, den Kokosöl mit sich bringt und welcher der enthaltenen Laurinsäure zu verdanken ist. Laurinsäure macht fast die Hälfte des Kokosöls aus und so verwundert es nicht, dass das Öl mit ziemlich wünschenswerten Eigenschaften für die Zahnpflege punktet.

 

Die Erkenntnisse über die positiven Auswirkungen von Kokosöl auf die Zahn- und Mundflora wurden in einigen Studien über das ölziehen gewonnen. So kam das Manipal College of Dental Sciences in Indien im Jahr 2014 zu dem Schluss, dass eine tägliche (Kokosöl-)Massage von zehn Minuten nach dem Zähneputzen genüge, um die Zahl der Kariesbakterien deutlich zu reduzieren. 40 Probanden zwischen 18 und 55 Jahren wandten diese Massage drei Wochen lang jeden Tag an. In drei Gruppen aufgeteilt, massierten sie Kokos-, Sesam- und Olivenöl in kreisförmigen Bewegungen ins Zahnfleisch. Eine Vergleichsgruppe nutzte für die Massage Chlorhexidin-Gel, ein Antiseptikum, das in der Zahnmedizin eingesetzt wird. Im Gegensatz zu Kokosöl, können in der Anwendung von Chlorhexidin jedoch Nebenwirkungen auftreten, wie bräunliche Verfärbungen von Zunge und Zähnen oder Geschmacksstörungen. Zudem kann es bei offenen Wunden die Wundheilung stören.

Das Ergebnis der Studie: In allen vier Gruppen kam es zu einer signifikanten Verringerung von Plaque und Zahnfleischbeschwerden sowie von den Bakterienarten Streptococcus mutans und Lactobazillus. Zwischen den jeweiligen Gruppen gab es keine großen Unterschiede im Ergebnis. Die Studie schloss mit den Worten: „Diese Öle können als wertvolle Präventionsmittel zur Erhaltung und Verbesserung der Mundgesundheit dienen. Es wird jedoch empfohlen, weitere Untersuchungen in anderen Populationen mit einer größeren Stichprobe und einer längeren Nachbeobachtungszeit durchzuführen.“

In seiner Studie „ölziehen zur Aufrechterhaltung der Mundhygiene - Eine Überprüfung“ fasst Vagish Kumar L. Shanbhag die bisherigen Erkenntnisse verschiedener Studien zusammen und berichtet u. a. von einer Untersuchung mit 60 Jugendlichen, die 30 Tage lang das ölziehen praktizierten. Sie alle litten an Zahnfleischentzündungen und Zahnbelag. Nach den vier Wochen wurde eine Verbesserung beider Beschwerden um 50 % festgestellt. Weiter zeigt die Studie, dass Kokosöl einen hohen Verseifungsindex aufweist, was bedeutet, dass sich die Laurinsäure des Öls mit bestimmten Bestandteilen des Speichels verbindet und so eine Seifen-ähnliche Substanz entstehen lässt. Diese habe eine reinigende Wirkung und würde dem Anhaften und der Häufung von Zahnbelägen entgegenwirken, was auch Karies vorbeugen würde.

Auch die zweite Zutat der selbstgemachten Zahncreme, Xylit (Birkenzucker), ist gesund für die Zähne. Schon in den 70er Jahren entdeckten Wissenschaftler der finnischen Universität Turku in den sogenannten Turku-Zuckerstudien, dass Xylit Karies dezimiert. Außerdem stärkt es das Zahnfleisch und remineralisiert die Zähne, mit anderen Worten: Beschädigte Zähne erholen sich wieder. Im Übrigen stellt der menschliche Körper Xylit auch selbst her und nutzt diesen Stoff zur Verstoffwechselung von Kohlenhydraten. Der Karieskeim Strepptococcus mutans kann Xylit allerdings nicht verstoffwechseln und so verhungert das Bakterium.

Pfefferminzöl wirkt ebenfalls antibakteriell, mildert Entzündungen und sorgt für einen frischen Atem. Zudem wirkt es reinigend und entgiftend.

Diese drei einfachen Zutaten pflegen und schützen die Zähne somit auf ganz natürliche Weise. Andere Rezepturen für DIY-Zahncremes empfehlen als weitere Bestandteile oft Natron oder Mineralerden wie Bentonit oder Zeolith. Diese Wirkstoffe sind jedoch zu stark und für die tägliche Zahnpflege nicht geeignet. Sowohl Natron als auch die Mineralerden wirken eher wie Schmirgelpapier; sie können den Zähnen schaden und den Zahnschmelz angreifen. Daher sollten sie nur ein- bis zweimal in der Woche angewendet werden, etwa in einer Mundspülung.

Bei der Verwendung von Salz, sollte darauf geachtet werden, dass es sich gut auflöst (sonst wieder Schmirgelpapier-Effekt) und auch nicht zu viel davon genutzt wird.

 

Zahnpflege aus der Region

Auch als ergänzende Pflege ist Kokosöl gleichermaßen beliebt wie wirksam und wird gern zum ölziehen genutzt. Die dabei entstehenden Antioxidantien schädigen die Zellwände von Mikroorganismen und töten diese ab. Die o. g. Studie von Shanbhag geht auf weitere zahlreiche positive Auswirkungen des Ölziehens ein. Allerdings mag es schon noch ein bisschen Forschungsbedarf geben und auch die (mehr oder weniger) regelmäßigen Zahnarztbesuche sollten nicht vernachlässigt werden. Auch ersetzt das ölziehen nicht das Zähneputzen an sich, denn nur die mechanische Reinigung der Zahnbürste entfernt Plaque richtig.

Für das ölziehen wird ein Teelöffel (anfangs; später etwas mehr) in den Mund genommen und 10 bis 20 Minuten hin und her bewegt. Dabei soll es durch die Zahnzwischenräume gepresst werden. Anfangs ist es vielleicht ungewohnt, so lange Öl im Mund zu behalten. Am Ende wird das Öl in ein Taschentuch gespuckt; es wird weder geschluckt noch im Waschbecken weggespült. Das hat zweierlei Gründe: Beim Schlucken würden die vom Öl aufgenommenen Bakterien und Toxine in den Körper gelangen. Durch die Entsorgung im Waschbecken könnte mit der Zeit der Abfluss verstopfen, da das Öl durch die Außentemperaturen ja wieder abkühlt und fest wird. Nach dem ölziehen sollen die Zähne wie gewohnt geputzt werden.

Bei dieser ergänzenden Pflegemaßnahme ist Geduld gefragt und wegen ihrer täglichen Durchführung mag sie als zeitintensiv empfunden werden. Doch die 10 bis 20 Minuten müssen sein: Erst im Laufe dieser Zeitspanne vermischt sich das Öl mit dem Speichel, sodass schädliche Mikroorganismen aufgenommen werden können. Ob die Prozedur erfolgreich war, ist dann im wahrsten Sinne des Wortes beim Ausspucken klar ersichtlich. Wichtig ist auch, das ölziehen gleich morgens unmittelbar nach dem Aufstehen anzugehen – auch noch vor dem obligatorischen Schluck Wasser. Nach ungefähr einer Woche sollten sich die ersten Veränderungen im Mund bemerkbar machen, wie glattere, weißere Zähne oder gesundes rosa Zahnfleisch.

Manch einer mag sich in Sachen Kokosöl im Zwiespalt befinden, da es seinen Ursprung nicht gerade um die Ecke hat. Als regionale Alternative eignen sich kaltgepresste, biologische Öle, wie Sonnenblumenöl, Leinöl, Sesam- oder auch Olivenöl. Gerade Sonnenblumen- und Sesamöl sind mild und neutral und somit geschmacklich auch recht angenehm. Leinöl schmeckt eher herb und sollte daher 1:1 mit Sonnenblumenöl gemischt werden; dafür wirkt es im Mund- und Rachenraum besonders heilend. Olivenöl sollte unbedingt kaltgepresst und nativ sein. Für eine erweiterte
Wirkung können auch ätherische Öle beigemengt werden, die dann aber als Lebensmittel zugelassen sein müssen. Auf 100 ml werden 3-5 Tropfen gegeben, auf 500 ml 12-15 Tropfen.

Diese Öle können alle auch zur generellen Zahnpflege eingesetzt werden. Mit ihnen lässt sich ein Kräuteröl herstellen, das auch als Alternative zur herkömmlichen Zahncreme dienen kann. Dafür werden 100 ml Pflanzenöl mit 30g-40g frischen Kräutern (z. B. Petersilie oder Salbei) gemischt und mit einem Pürierstab zu einer dünnen Paste gemixt. Im Kühlschrank hält sich das Zahnöl vier bis sechs Wochen. Vor der Anwendung einfach das Öl kurz durchschütteln. Falls dir das zu sehr nach Kräuterküche klingt, kannst du das Zahnpflegeöl natürlich auch mit Xylit ergänzen.

Es gibt also viele Möglichkeiten seine Zähne gesund und umweltfreundlich zu pflegen. Aber alle diese Erkenntnisse nun mögen eines zeigen: Weniger ist mehr –  und vielleicht besonders bei Zahncreme. Und wenn du jetzt Appetit auf einen Cocktail oder Schokolade bekommen hast (oder auch auf Kräuterbutter), gönne dir heute was Schönes. Aber das Zähneputzen nicht vergessen! Am besten mit einer bambusliebe-Zahnbürste und deiner selbstgemachten Zahncreme.

 

Quellen:

https://www.oekotest.de/kosmetik-wellness/Zahnpasta-Test-Jede-zweite-Zahncreme-faellt-durch_111632_1.html

Vagish Kumar L. Shanbhag, Oil pulling for maintaining oral hygiene A review, J Tradit Complement Med. 2017 Jan; 7(1): 106109

https://www.zahnärzte-ivanovas.de/index.php?Birkenzucker-oder-Xylit-zur-Zahnpflege

smarticular.net - Zahnöl mit Heilkräutern selbermachen – für natürlich schöne und gesunde Zähne