Warum du beim nachhaltigen Lifestyle nicht vorwärts kommst und wie du es doch schaffst

Theorie und Praxis haben ungefähr so viel miteinander gemeinsam wie Tofu mit dem Wiener Schnitzel. Vielen ist das aus Ausbildung oder Studium hinlänglich bekannt und für gewöhnlich braucht es eine Weile, bis sich die Lücke dazwischen schließt.

Problematisch wird es allerdings, wenn das länger dauert, als es gut ist. Sehr problematisch ist diese Differenz für unsere Umwelt.

Obwohl inzwischen fast jeder weiß, wie es um die Erde bestellt ist, packen trotzdem viel zu viele Einkaufenden ihr Obst und Gemüse in kleine Plastiktüten. Die Themen Klima, Umwelt und Nachhaltigkeit sind in aller Munde und manch einem mögen sie vielleicht schon über sein, dennoch scheinen viele bisher nicht genug sensibilisiert worden zu sein.

Deutlich zeigt das eine Repräsentativumfrage zum Umweltbewusstsein und Umweltverhalten 2008 im Auftrag des  Bundesumweltamtes: 

„Zwei Drittel der Bevölkerung sieht durch den Klimawandel die Existenz der Menschheit mehr oder weniger bedroht. … 80 % sind sich bewusst, dass im Wesentlichen menschliches Handeln für den Klimawandel verantwortlich ist. … Die persönliche Betroffenheit durch den Klimawandel wird allerdings überwiegend als nicht so groß eingeschätzt. Jeweils weniger als 20 % der Befragten erwarten sehr große oder große Auswirkungen auf den persönlichen Wohlstand oder die eigene Gesundheit bzw. die der Familie.“

Anders ausgedrückt fahren wir also mit Vollgas auf einen Abgrund zu, gehen aber davon aus, dass nur den Mitfahrenden etwas zustoßen würde, während wir selbst mit einem violett umrahmten Auge davonkommen.

Dies ist ein Irrtum, der sich gemütlich in der Lücke zwischen Wissen und Praxis eingenistet hat. Wie kommt es zu dieser Diskrepanz?

Ellen Matthies ist Umweltpsychologin an der Universität Magdeburg; sie erklärt: „Abstrakte Einstellungen und Wertvorstellungen sind etwas ganz anderes als das alltägliche Handeln.“ Psychologisch gesehen ist es also ganz normal, auf der einen Seite von etwas überzeugt zu sein, sich aber dem entgegengesetzt zu verhalten.

Der sogenannte Status-quo-Fehler ist der Grund, warum es vielen Menschen schwerfällt, umweltgerechter zu leben: Bei vielen Alternativen bleibt der Mensch lieber bei jener, für die er sich von Anfang an entschieden hat. Anders ausgedrückt: Wenn die Überlegung ansteht, was wegen eines Problems unternommen werden sollte, so macht der Mensch ganz tatkräftig – gar nichts. Die Angst vor Eventualitäten und Veränderungen ist dann doch zu groß.

Und vielleicht trägt auch die Stimmung zwischen den guten Vorsätzen und dem inneren Schweinehund dazu bei. Die verstehen sich nämlich auch nicht so gut. Es ist ein bisschen so wie mit allen guten Vorsätzen (mehr Sport zu treiben, gesünder zu essen … ) – sie werden so lange verschoben, bis sie irgendwann ganz verdrängt sind.

Wie kriegen wir es also hin, mit alten Gewohnheiten zu brechen, den Status-quo-Fehler zu beheben und den Schweinehund zu überwinden?

Gute Tipps liefert das Buch „Psychologie im Umweltschutz: Handbuch zur Förderung nachhaltigen Handeln“ (Karen Hamann, Anna Baumann, Daniel Löschinger). Die Umweltpsychologie erforscht, was uns zu unseren (fehlenden) Entscheidungen führt und uns motiviert. Das Handbuch zeigt auf, wie wir es besser verstehen, umsetzen und fördern können, nachhaltig zu handeln und hat praktische Tipps, wie die folgenden, parat:

Werde konkret

Vage Ideen („Eigentlich sollte ich mehr Sport machen“) werden eher nicht umgesetzt; klare Ziele hingegen schon („Jeden Samstag gehe ich joggen“). Eine uns selbst auferlegte Verpflichtung können wir besser einhalten. Setze dir auch so ein konkretes Ziel zum Umweltschutz, etwa: „Dieses Jahr senke ich meinen Energieverbrauch um 25 %“ oder „Ich esse nur einmal in der Woche Fleisch.“ Schreibe dir dein Ziel auf und auch mögliche Etappenziele und vor allen Dingen – erzähle anderen davon. Das motiviert dich, das Vorhaben auch wirklich umzusetzen. So klappt es mit dem Sparen von Energie sowie mit dem Sport.

Erinnere dich

Du hast konkrete Ziele? Sehr gut. Jetzt gilt es aufzupassen, diese in den Alltag zu integrieren und anstatt sie untergehen zu lassen. Dazu müssen wir uns selbst an sie erinnern, zum Beispiel durch kleine Zettel oder Sticker. Ein „Licht aus?“ oder „Stoffbeutel dabei?“ an der Haustür wirken wahren Wunder.

Mache Erfolge sichtbar

Was haben Hausarbeit und mehr Nachhaltigkeit im Leben gemeinsam? Sie sind nur sichtbar, wenn sie nicht gemacht werden. Deswegen ist es wichtig, sich der positiven Auswirkungen nachhaltigen Handels sichtbar zu machen und davon zu erzählen.

Beobachte doch mal, wie es dir geht, wenn du eine Zeit lang mit dem Rad zur Arbeit gefahren bist; du bist fitter, sparst Ausgaben sowie den Stress von Stau und Parkplatzsuche – und erzähle davon, um es auch für andere sichtbar zu machen.

Motivierendes, sichtbares Feedback gibt übrigens auch die grüne Suchmaschine Ecosia. Sie verwendet die Einnahmen aus Suchanzeigen, um Bäume zu pflanzen. Während du suchst, steigt die Zahl stetig. Besser kann man es gar nicht vor Augen haben.

Gemeinsam aktiv

Schaffe doch Gelegenheiten für gemeinsame Aktivitäten und zum Austausch – organisiere mit Freunden oder Nachbarn eine Kleidertauschparty, einen vegetarischen Kochabend oder versucht euch in Urban Gardening. Oder wie wäre es damit, ein öffentliches Bücherregal zu errichten oder durch foodsharing Lebensmittel zu retten?

Rat aus der Umweltpsychologie: Bei solchen gemeinschaftlichen Aktionen sollte man Fehler zulassen und gleichzeitig viele Erfolgserlebnisse zu schaffen. Das hinterlässt ein gutes Gefühl bei allen. Und positive Erlebnisse möchte ja jeder gern wiederholen, oder?

Zusätzliche Inspiration findest du bei tollen, nachhaltigen Instagramerinnen. Auf dem Feed von „Naturlandkind“ findest du einfache Anleitungen für Naturkosmetik, einfache Rezepte und Tipps zur Müllvermeidung.

Auch Franzi von „Oh wie cool“ stellt simple wie geniale Tricks vor, wie man den Plastikwahn bekämpfen und Lebensmittelverschwendung vermeiden kann, etwa wie die einzelnen Bananen im Supermarkt zu kaufen, damit sie nicht weggeworfen werden. Die schönen Flatlays von Lebensmitteln, Seifen, Kerzen oder Naturkosmetik sind dabei das Tüpfelchen auf i.

Tolle Upcycling-Ideen findest du bei Marisa auf „My Sustainable Me“. Seit kurzem gibt es dazu einen Podcast über faire oder müllfreie Produkte.

Nach so viel Umweltpsychologie und Inspiration bleibt nur noch eins: Ärmel hoch und ran an die Veränderung!

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