Die Erde hat Burnout

Wie du der überlasteten Erde helfen kannst

Ist es Zufall, dass es der Erde ähnlich ergeht, wie ihren Bewohnern? Viele von uns sind überlastet und Stress ist eine Plage unserer Zeit. Die Folgen davon sind Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Magenprobleme, Antriebslosigkeit oder Energiemangel. Hält dieser Zustand länger an, als der Körper aushalten kann, fühlt man sich ausgebrannt. Und auch unser Planet steht mehr unter Stress, als er aushalten kann.

Am 29. Juli war der Erdüberlastungstag und das Synonym „Welterschöpfungstag“ bringt sehr gut zum Ausdruck, wie es um unseren Planeten bestellt ist. Wie kommt man auf diesen errechneten Ressourcenverbrauch? Kurz erklärt, ergibt sich das aus dem Verhältnis zwischen Biokapazität und Footprint bzw. die sich daraus ergebende Diskrepanz. Klingt kompliziert? Ist es gar nicht.

Ernste Sachverhalte simpel erklärt

Die Wissenschaftler William Rees und Mathis Wackernagel hatten in den 90er Jahren die Idee, den ökologischen Fußabdruck zu errechnen und entwickelten eine Art Buchhaltungssystem für die Erde. Auf der Angebotsseite stehen die Flächen unseres Planeten: Felder, Wälder, Meere, Seen, Weiden, Wüsten, Straßen, Städte. Berücksichtigt wird dabei das Leistungspotential der Ökosysteme, biologische, brauchbare Materialien hervorzubringen und unter den aktuellen Bedingungen die Abfallstoffe aufzunehmen, die wir Menschen erzeugen; unter dem Strich zusammengefasst unter dem Begriff „Biokapazität“ (oder biologisch genutzte Fläche) und in der Maßeinheit „globale Hektar“ (gha) dargestellt.

Die Nachfrageseite gibt an, wie viel biologische Kapazität wir Menschen in Anspruch nehmen. Bauland, Energiegewinnung und Viehzucht beanspruchen Fläche. Dann muss die Umwelt Abgase und Abfälle verarbeiten und mit unserem Lebensstil klarkommen: Ob und wie viel wir mit dem Auto fahren, ob wir das Licht beim Verlassen eines Raumes ausschalten oder brennen lassen, wie viel Müll wir verursachen und wo wir unsere Lebensmittel kaufen – all das verbraucht logischerweise natürliche Vorräte sowie Energie. Dieser Verbrauch auf der Nachfrageseite ist unser ökologischer Fußabdruck (Footprint).

Der ökologische Fußabdruck vergleicht also Angebot und Nachfrage und ermittelt, wie viel Erdfläche dafür verwirtschaftet wird, um unseren Lebensstil weiterhin zu halten. Wenn wir die Erde gerecht aufteilen, bekommt jeden Menschen ungefähr 1,7 Hektar (gha) für seinen persönlichen Lebensstil zugesprochen. Das Problem ist allerdings, dass laut der WWF jeder Mensch durchschnittlich 3,3 Hektar pro Jahr verbraucht – weitaus mehr, als die Erde zu Verfügung stellen kann.

Zudem ist die Biokapazität noch nicht einkalkuliert, die dafür benötigt wird, die Vielfalt der Pflanzen- und Tierwelt zu erhalten, eine inzwischen zwingende Notwendigkeit.

Genaugenommen liegt der Footprint deutlich unter 1,7 gha. Genaugenommen stehen wir schon seit den 80er Jahren bei der Natur in den Miesen, denn seitdem verbrauchen wir mehr Biokapazität als die Ökosysteme hergeben können. Und genaugenommen beuten wir die Natur so aus, als hätten wir unseren Planeten 1,75-mal.

Der Erdüberlastungstag (oder der Earth Overshoot Day) gibt also den Fehlbetrag zwischen der Biokapazität und dem weltweiten Footprint an und zeigt folgendes auf: Seit dem 29.07. werden mehr Ressourcen verbraucht, als sich bis zum Jahresende wieder neu bilden können.

Berechnet wird dieser Tag jährlich vom Global Footprint Network, eine internationale Non-Profit-Organisation im Bereich Umwelt. Das Network verdeutlicht so die ökologischen Grenzen der Erde und möchte politische Entscheidungen vorwärtsbringen, die auch fundiert sind. Grundlage der globalen Berechnung sind die besten statistischen Daten, die derzeit verfügbar sind.

Zwar ist die Messung von Biokapazität und Footprint nicht mit absoluter, wissenschaftlicher Genauigkeit möglich und so kommt es bei der Abschätzung des Datums für den Overshoot zu Schwankungen, dennoch ist das Fazit dahingehend eindeutig: Unsere Erde kann nicht mehr. Sie ist übernutzt und überlastet.

Übrigens war der Erdüberlastungstag noch nie so früh, wie in diesem Jahr. Der Deutsche Erdüberlastungstag 2019 war bereits am 03. Mai. Seit diesem Tag leben wir hier auf den Kosten künftiger Generationen.

Hilfe bei Burnout

Um unserem Planeten erste Hilfe leisten zu können, brauchen wir nur überlegen, was wir bräuchten, wenn wir überlastet und ausgebrannt wären. Bei Burnout braucht es Zeit, um wieder auf die Beine zu kommen. Auch wir müssen unserer Erde Zeit geben, unserem Lebensstil hinterherzukommen. Dafür müssten wir uns dem Tempo der Erde anpassen; dass das umgekehrt nicht funktioniert, ist ja deutlich zu sehen.

Interessanterweise lassen sich die Tipps, die bei einem Burnout helfen, auch auf die Erde anwenden:

Eingeständnis

Sich zu Problemen nicht zu bekennen, ist sinnlos und auf lange Sicht gesehen ziemlich schädlich. Sich hingegen das Zuviel einzugestehen, ist der erste Schritt und die Basis dafür, gegen Ursachen kämpfen zu können und nicht gegen Symptome.

Veränderung

Ein Punkt ist erreicht, an dem es so nicht mehr weitergeht; also ist es an der Zeit für Veränderungen. Was ist belastend? Und wie kann man diese Belastung loswerden?

Schritt für Schritt

Nimmt man sich zu viel auf einmal vor, geht das – gerade in so einem Fall – nach hinten los. Hier kann eine Art Problem-Hierarchie helfen: Was muss sich sofort ändern? Was kann als nächster Punkt kommen? Also: Was kannst du jetzt sofort besser machen, um die Umwelt zu schonen?

Einen Schritt zurück

Bei einer stressbedingten Überlastung tritt man einen Schritt kürzer – für die Erde treten wir einen Schritt zurück: Back to the roots!

Nein sagen

Es ist zwar nicht immer leicht, dafür aber befreiend und schützt einen selbst; und es hilft Prioritäten zu setzen. Setzte Prioritäten – sage „nein“: vielleicht zu Coffe-to-go, Plastikverpackungen oder Werbung.

Ernährung

Für Körper und Geist ist es wichtig, sich gesund und ausgewogen zu ernähren. Für die Umwelt ist es gut regional und saisonal zu kaufen und auf Dinge zu verzichten (oder sie zu minimieren), die ihr nicht guttun, wie zum Beispiel Fleisch und Produkte, die Palmöl enthalten.

Autopilot ausschalten

Für stressige Phasen ist eine negative Denkweise typisch, die meist ganz automatisch im Unterbewusstsein abläuft. Versuche den Autopiloten der Gewohnheit auszuschalten und mache dir Gedanken über die Umwelt – wenn du einkaufst, etwas bestellen möchtest oder einen Urlaub buchen willst.

Entspannung

Entspannung ist jetzt besonders wichtig. Gib auch der Umwelt Gelegenheit zur Erholung. Nimm beim Picknick deinen Müll mit oder lasse mal das Auto stehen.

Kontakte pflegen

Wenn es stressig ist und einem nicht gut geht, tendiert man dazu sich zurückzuziehen. Gerade da sind soziale Bindungen wichtig, zum Partner, zur Familie, zu Freunden. Suche auch für deinen Beitrag zu einem verbesserten Footprint Kontakte, die dir dabei helfen. Wenn wir diese Tipps befolgen, erreichen wir vielleicht ein Timeout (zum Regenerieren der Erde) statt eins Burnouts.

Leiste einen Beitrag und teile ihn, wenn du magst. Das Global Footprint Network sammelt auf der Seite Earth Overshoot Day die Beiträge von Menschen aus aller Welt, die sich unter #movethedate aktiv einbringen.

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