Summerfeelings

Es wäre beinahe üble Nachrede, den Sommer schlicht als Jahreszeit zu bezeichnen. Der Sommer ist das Leben in Reinkultur; er hat Vertrautheit im Gepäck, wärmt unsere Seele, ist ein intensives Gefühl. Vielleicht liegt das daran, dass der Sommer uns an eine Zeit erinnert, in der wir sorglos, frei und glücklich waren. Es waren Ferien und wir lebten unbeschwert einfach in den Tag hinein.

Außerdem liegt der Sommer sprichwörtlich in der Luft: alles blüht und duftet, die Tage sind lang und wir sind voller Energie und Tatendrang – die idealen Bedingungen also, um das Leben nachhaltig zu feiern.

Moment mal: Passen die Worte „nachhaltig“ und „feiern“ überhaupt zusammen in einen Satz?

Dass Nachhaltigkeit nichts mit einem uncoolen Birkenstock-Latschen-Image zu tun hat, ist inzwischen hinlänglich bekannt. Und falls es für den einen oder anderen doch ein bisschen nach Spaßbremse klingt, zeigen wir, wie wir das Gefühl des Sommers feiern und genießen können, dabei auf unsere Umwelt achten und dass beides ganz easy miteinander in Einklang bringen.

Festivals & Co.

Live-Musik, Workshops, Kunst und kulinarische Spezialitäten – Festivals sind die Crème de la Crème des Feierns. Doch so schön sie auch sind: Open Airs sind eben auch umweltunfreundliche Veranstaltungen. So bestätigte eine Sprecherin der Stadt Nürnberg, dass sich die Hinterlassenschaft der feiernden Masse nach dem Rock im Park-Festival auf beachtliche 300 Tonnen Müll anhäuft.

Dabei ist es gar nicht so schwer, etwas umsichtiger zu handeln. Achte doch schon gleich bei der Anreise auf Nachhaltigkeit und bilde Fahrgemeinschaften oder nutze Bus, Bahn und den Shuttle-Service zum Festivalgelände, der in den meisten Fällen vom Veranstalter angeboten wird. All das macht es überflüssig, mit dem eigenen Auto anzureisen.

Nutze ein hochwertiges Zelt, das nicht gleich noch während des Festivals kaputtgeht.

Unnötigen Müll vermeidest du auch dadurch, das Einweggeschirr bei den Vorbereitungen im Supermarktregal liegenzulassen und stattdessen Geschirr aus Holz oder Bambus einzupacken, welches biologisch abbaubar ist. Eine ebenso hübsche wie leichte Alternative wäre Geschirr aus Emaille. Am besten lässt du dir das Essen an den Food-Ständen gleich direkt auf den Teller geben.

Und zu guter Letzt: Rüste dich mit ein paar Müllbeuteln aus, um deinen Müll hinterher selbst zu entsorgen.

Doch auch die Veranstalter wissen zunehmend um ihre Verantwortung und achten auf Dinge wie Mülltrennung, Energieversorgung durch Ökostrom oder auch Shuttle-Services bzw. eine im Ticket enthaltene Fahrkarte für die Anreise.

Besonders gut finden wir die Festivals, die komplett auf Nachhaltigkeit ausgerichtet sind, wie zum Beispiel das Streetlife Festival in München. Dahinter steht die Münchener Umweltinitiative Green City e. V., die dieses Event anlässlich des europaweiten autofreien Tages ins Leben gerufen hat. Seit 2000 werden an zwei Wochenenden jedes Jahr die Ludwig- und die Leopoldstraße zu einer autofreien Zone. Stattdessen gibt es auf einer Strecke von 1,5 Kilometern Länge Konzerte von nationalen und lokalen Bands, Graffiti-Workshops, Bio-Märkte, regionale Produkte, Infostände rund um Klima und Naturschutz und einen Mitmach-Bauernhof für Kinder. Sportlich hoch hinaus geht es an der Kletterwand und auch der Baseballplatz sowie der Skateboard-Testparcour sind beliebte Anlaufstellen für Sportfreunde. All das wird mit Ökostrom versorgt. Da es sich dabei um ein Straßen-Festival handelt, werden Wiesen oder Bäume dabei nicht beschädigt und die Gastronomen dürfen ausschließlich Mehrweggeschirr nutzen. Der nächste Termin für das Festival ist der 07. und 08. September 2019 und der Eintritt ist frei. Etwas weiter südlich, in der französischen Schweiz, findet jedes Jahr Ende Juli das Paleo Festival Nyon statt. An den sechs Tage feiern täglich an die 35.000 Besucher. Auch dieses Festival wird komplett mit Ökostrom versorgt. Das Ticket ist zugleich die Fahrkarte für die öffentlichen Verkehrsmittel und zusätzlich setzt der Veranstalter Sonderzüge ein, damit die Besucher nicht mit dem eigenen Auto anreisen müssen. Über 5000 freiwillige Helfer setzen sich beim Paleo für ein sauberes Gelände ein und das gastronomische Angebot ist regional, Bio, vegetarisch und vegan. Für das soziale und ökologische Engagement wurde das Paleo Festival bereits mehrmals mit Preisen ausgezeichnet, darunter erhielt es von der Europäischen Festivalvereinigung den Green’n’Clean Award.

Nachhaltig durch den Sommer – zu Hause und unterwegs

Grillen gehört zum Sommer wie der Gin zum Tonic. Ein Ansatz um auch beim Grillen nachhaltig zu sein wäre, sich einen Grill zu leihen oder ihn sich mit Freunden oder Verwandten zu teilen – Grill-Sharing sozusagen. Achte auch darauf, wo die Holzkohle herkommt. Denn hierzulande ist der meiste Teil der Holzkohle Importware aus der Ukraine, Paraguay oder Nigeria. Zuweilen ist die Produktion der Kohle mit Raubbau an den Wäldern oder Korruption verbunden. Produkte die hingegen mit dem Naturland-Siegel oder dem FSC-Siegel gekennzeichnet sind und aus europäischen Laubwäldern stammen, garantieren die ökologische Herstellung der Kohle.

Die Einweg-Variante des Grills sollte komplett weggelassen werden, genauso wie chemische Anzünder. Den wohl klimafreundlichsten Grillabend hast du mit einem Elektrogrill, der mit Ökostrom betrieben wird. Und auch das, was auf dem Grill landet, gehört zur Nachhaltigkeit. Denn besonders viele klimaschädliche Emissionen entstehen bei der Herstellung von tierischen Produkten wie Steak und Grillkäse. Ganz davon abgesehen schmeckt nicht nur Fleisch gegrillt, sondern auch Gemüse. Probiere doch mal Veggie-Grillen aus, zum Beispiel mit Rosmarinkartoffeln mit Spargel.

Wasche Aluschalen aus, um sie mehrfach zu verwenden oder nutze eine Schale oder Grillpfanne, die für den dauerhaften Einsatz geeignet ist.Soßen und Dips kannst du selber herstellen und in Einmachgläsern servieren.

Wenn du deinen Kühlschrank gut organisier hast, findest du schnell alle Zutaten und musst nicht lange suchen. Auch das ist gut für die Umwelt, weil von der erzeugten Kälte so weniger verloren geht. Nach dem Grillen kannst du die Asche auf dem Kompost entsorgen oder – in ganz kleinen Mengen – als direkten Dünger im Blumenbeet verwenden.

Die Zutaten für deinen grünen Grillabend findest du auf dem Markt. Sommerzeit ist Marktzeit und für alle, die noch nicht auf Märkten einkaufen ist jetzt die beste Gelegenheit damit anzufangen. Denn jetzt gibt es viele, preiswerte Angebote aus Region und leckere Saisonware. Außerdem sind fröhliche Gespräche und der persönliche Austausch mit den Verkäufern inklusive. Etwas, das man irgendwann nicht mehr missen möchte.

Ein kleiner Tipp zum Marktbesuch: Schreibe dir keinen klassischen Einkaufszettel, da du eventuell das Gewünschte nicht bekommst. Bleibe offen und suche nur nach „zwei Gemüsesorten zum Grillen“ oder „Salat“, ohne dich festzulegen. Und so wirst du auch immer wieder mal neue Sorten entdecken.

Wenn du dir zwischen dem Bummeln entlang der Stände mal ein Eis gönnst, geht auch das müllfrei, ohne Pappbecher und Plastiklöffel – und das auch, wenn man mal keine Lust auf Waffel hat. Nimm einfach ein Einmachglas und Löffel von zu Hause mit und lass dir das Eis direkt hineinfüllen.

Wenn du draußen bist, setze eher auf Sonnenschutz als auf Sonnencreme. In Sonnencremes steckt oft viel Chemie und Mikroplastik ist. Luftige, leichte Kleidung, Tücher und Sonnenhüte schützen auch wirkungsvoll vor der Sonne und sind dabei ganz umweltverträglich und gesund.

Nichts Neues aber wichtig: Trinken nicht vergessen! Wenn du deine eigene Trinkflasche dabei hast, kannst du diese mit kostenlosem Leistungswasser auffüllen lassen; und zwar in Cafés und Läden die bei der Initiative „Refill Deutschland“ mitmachen. Du erkennst sie an dem angebrachten Refill-Aufkleber und findest eine Übersicht unter: http://refill-deutschland.de/.

Nachhaltig ab in den Urlaub geht es, wenn du einen Urlaubsort in nicht allzu ferner Gegend aussuchst. Vielleicht kannst du ja mal mit dem Zug fahren oder dir eine Campingausrüstung leihen. Bei der Wahl von Reiseanbietern und Unterkunft helfen auch entsprechende Siegel. Das Siegel TourCert kennzeichnet soziale und ökologische Reiseanbieter; Unterkünfte sind mit Labeln wie Bio-Hotels, Viabono oder dem Europäischen Umweltzeichen ausgewiesen und zeichnen sich dadurch aus, Standards in Sachen Nachhaltigkeit gerecht zu werden. „Grüne“ Campingplätze erkennst du am Logo ECOCAMPING.

Bevor du auf die Reise gehst, überprüfe, ob alle Stromfresser zu Hause ausgeschaltet sind und nichts im Standby-Modus Strom verbraucht.

In diesem Sinne: Hab´ einen tollen Sommer, genieße die Unbeschwertheit, sei umweltbewusst.

Log in with your credentials

Forgot your details?