Aller Anfang ist gar nicht so schwer

Kaufst du noch oder denkst du schon Grün? Als Farbton der Zuversicht und Erneuerung ist Grün genau richtig und es ist angebracht, entsprechend zu denken. Aufs Denken folgt dann das umweltbewusste Handeln und wir können zuversichtlich sein und etwas verbessern, wenn jeder seinen Teil dazu beiträgt. Dabei kommt es darauf an, einfach anzufangen und mitzumachen, um große Ziele in kleinen Etappen zu erreichen – und darauf, dranzubleiben.

Es ist nicht Sinn der Sache, alle seine Tupperdosen zu verteufeln, umgehend zu entsorgen und nach Edelstahlbehältern zu shoppen; auch wenn wir so einen euphorischen Tatendrang liebenswert finden. Nachhaltigkeit besteht darin, eine Sache möglichst lange zu nutzen, also darf das, was wir schon haben, ruhig noch etwas bleiben. Und wer doch sofort aktiv aussortieren möchte, könnte ja was verschenken. Bei Einwegprodukten kannst du sofort umzusteigen, sobald diese aufgebraucht sind.

Doch wir können gleich die erste Etappe mit nur einem Schritt erreichen, wenn wir generell auf den Konsum achten.  Über das Konsumverhalten sollten wir uns alle mehr Gedanken zu machen. Gedanken wie: „Brauche ich das wirklich?“, und dann das tolle Oberteil einfach mal nicht kaufen. Das mag ein wenig ernüchternd, wenn nicht gar enttäuschend klingen. Aber es ist so: Auch das (nachhaltig hergestellte) neue Shirt muss es nicht sein, wenn noch genügend andere im Schrank liegen. Seine Sachen lange zu benutzen ist gut für die CO2-Bilanz. Deswegen ist die Entscheidung, etwas nicht zu kaufen, eine absolut nachhaltige Handlung und das Produkt, das nicht hergestellt werden musste, ist das nachhaltigste.

Zugegeben, ein wenig Konsequenz gehört schon dazu, schließlich leben wir in einer Konsumgesellschaft, was am Beispiel von Handyanbietern sehr deutlich zum Ausdruck kommt: Viele Konzerne bieten es an, sein altes Handy einmal im Jahr gegen ein neues einzutauschen oder bei einer Vertragsverlängerung ein neues zu bekommen. Nachhaltiger ist es aber, sein aktuelles Smartphone trotzdem weiterhin zu benutzen – auch wenn eine coolere oder schickere Version auf den Markt gekommen ist. Der Dichter Ernst Ferstl schrieb schon vor einiger Zeit: „Wir wissen genau, was wir wollen. Man braucht es uns nur anzuschaffen.“ Von daher ist der beste Konsum auch jener, der nicht zustande kommt, weil wir selbst es so entschieden haben. Warum kann man das sagen?

Betrachten wir dazu die Jeans-Produktion. Der Anbau von Baumwolle und die Färbung der Stoffe, sind derart wasserintensive Arbeiten, dass für die Herstellung einer Jeans 8.000 Liter Wasser verbraucht werden. Klingt viel? Ist es auch; 8.000 Liter Wasser sind 50 Badewannen, jeweils gefüllt mit 160 Litern. Und würden wir das Wasser auf PET-Flaschen mit je 1,5 Litern Inhalt aufteilen, wären das 5.333 Flaschen. Trinkst du zwei Flaschen Wasser pro Tag? Dann hättest du für 2.666 Tage ausreichend zu trinken. Eine Jeans sind das Trinkwasser für sieben Jahre!

Mach mal (Konsum)pause

Wie kommen wir dahin, wieder wirklich selber zu wissen, was wir wollen? Indem wir selbst bestimmen, was an uns an Werbung herangetragen wird. Ohne permanent verlockende Angebote vor den Augen zu haben, ist es leichter, weniger zu kaufen. Dafür können wir uns auf das konzentrieren, was wirklich wichtig ist. Wenn du eher streamst als Fernsiehst, eliminiert das schon mal eine Quelle der Berieselung durch Werbung. Vielleicht kannst du ein paar Newsletters abbestellen oder dir angewöhnen vor einer Anschaffung die klassische Nacht drüber zu schlafen. Es gibt einen schönen Satz, der da lautet: „Zeit heilt nicht nur Wunden, sondern auch die tägliche Konsumversuchung.“

Wenn du erst bewusst kontrollierst, was sich noch im Schuhregal oder Schrank befindet, siehst du  vielleicht deutlich, dass noch genug da ist und du gerade nicht wirklich was Neues brauchst.

Klar, manchmal wollen und brauchen wir Abwechslung. Gelegentlich mag schon eine andere Kombination des üblichen weiterhelfen oder das Aufpeppen von etwas, das man sich übergesehen hat. Eine Tauschparty mit Freunden zu veranstalten, frischt nicht nur den Kleiderschrank auf, sondern ist auch gut investierte Zeit mit Freunden. Wir erinnern uns bestimmt gerne an so einen Abend zurück und haben mehr davon, als von dem schnell verfliegenden Hochgefühl einer Shoppingtour.

Auf ganz hohem Niveau gelang das Leben auf Tauschbasis der Lebenskünstlerin, Autorin und Psychotherapeutin Heidemarie Schwermer, die von 1996 bis 2007 komplett ohne Geld lebte und ihr Leben durch Tauschgeschäfte „finanzierte“. Ihre Erlebnisse schrieb sie in den Sterntalerexperiment-Büchern nieder.  

Wie gesagt, das ist schon ein ziemlich hohes Niveau einer großen Lebenskünstlerin und wir müssen es ihr nicht gleichtun.  Aber wir können uns davon inspirieren lassen.

Und wenn es machbar ist, so zu leben, ist es ebenso machbar, die neuen Schuhe im Regal liegen zu lassen oder die Lieblingsserie zu streamen, um werbefrei gucken zu können.

Grüner wird’s nicht?

Doch – Appstore sein Dank! Vielleicht ein wenig tricky, aber wir können uns beim Treffen von bewussten Entscheidungen durch interessante Apps helfen lassen. Vorab sei gesagt, dass es einige Apps einem die Umweltsünden direkt wie ungeschönt vor den Latz pulvern. Davon sollte man sich jedoch nicht demotiviert in den Morast des schlechten Gewissens ziehen lassen, sondern das schlicht als Anreiz nehmen. Abgesehen davon, zählen einige Menschen Kalorien, andere haben stets die Finanzen im Kopf, da kann man auch mal checken, was man gerade der Umwelt antut. Vielleicht ist es genau die richtige Methode, um sein gewohntes Leben der Situation besser anzupassen.

EcoChallenge: Hier werden dir wöchentliche Aufgaben gestellt, die Themen wie Essen aus der Region, Umgang mit Plastikmüll, Mobilität und sauberes Licht aufzeigen. Die Köpfe hinter dieser App sind an der Universität Potsdam tätig und wollen zu einem nachhaltigeren Lebensstil anhalten.

Green-Plaza analysiert das umweltfreundliche Handeln des Users im Alltag. Dabei handelt es sich um Punkte wie Lärm- und Umweltschutz, Ernährungstipps, Energieeinsparung und CO2-Bilanz. Eine ähnliche App ist übrigens der CO2-Rechner. Mit diesem kannst du deine eigene Klimabilanz mit dem nationalen Durchschnitt vergleichen und erhältst zusätzlich News zum Klimawandel und zur Klimapolitik. Entwickelt wurde der CO2-Rechner vom Bundesumweltamt.

Erntefrisch ist ein Saisonkalender, der dir zeigt, welche Lebensmittel Saisonbeginn oder -ende bzw. Hauptsaison haben, um zu verhindern durch lange Transportwege die Umwelt zu belasten.

Zu gut für die Tonne wurde im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft entwickelt und liefert dir Ideen, was du aus übriggebliebenen Resten noch leckeres zubereiten kannst und wie auch Dinge verwendet werden können, an die man bisher gar nicht dachte (z. B. Karottengrün). Die Rezepte und Tipps in der App stammen aber überwiegend von den anderen Nutzern.

Mit der Hilfe von Codecheck kannst du Barcodes an Kosmetikprodukten und Lebensmitteln scannen und erfährst innerhalb von Sekunden, was drin ist. So kommst du Mikroplastik, Parabene und Co. auf die Schliche. Das Coole daran ist, dass du dir ein eigenes Nutzerprofil mit Unverträglichkeiten oder auch Vorlieben anlegen kannst und dann sofort entsprechende Hinweise bekommst.

Das ist nur eine kleine Kostprobe dessen, was der Appstore hergibt; nach Herzenslust herumstöbern ist erwünscht. Was hilft sonst noch für mehr Grün im Leben? Entsprechender Umgang. Heißt es nicht: „Sage mir, mit wem du gehst und ich sage dir, wie umweltbewusst du bist?“ Suche den Kontakt zu gleichgesinnten Menschen, die dich inspirieren, die deine Werte teilen und mit denen du (dich aus) tauschen kannst. Im Bio-Markt oder im Internet kannst du auf Vorbilder treffen und am Ende selbst eins werden. Die Umwelt braucht solche Vorbilder und sie braucht dich und deinen Einsatz.

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